Grazia und Anschar sind zurück:

„Anschar?“, flüsterte sie. Er grunzte im Schlaf, und erst, als sie sacht auf seine Schulter klopfte, reckte er sich und wälzte sich auf sie. Sie genoss es, seine schweißfeuchte Brust zu küssen, ihm das wirre Haar aus dem Gesicht zu streichen und den verräterischen Duft tief in sich aufzunehmen. Das ganze Zimmer roch nach dem, was sie getan hatten. „Wir müssen jetzt etwas machen, was du schrecklich finden wirst.“
„Hm?“
„Wir müssen lüften.“
„Die Dreiheit steh mir bei.“ Er ließ sich wieder auf die Seite fallen. „Mach du das, ich verkrieche mich derweil unter den Decken.“ 
„Frostbeule!“ Sie sprang auf, schlüpfte in ihr Nachthemd und öffnete eines der Fenster. Die Nachtluft war wie ein kalter Guss, der sie zurück unter die Decke jagte. Sie schmiegte sich an Anschars duftenden Körper. Er hielt sie im Arm, war jedoch nicht ganz erwacht. Was war das? Ihre Zehen rieben über eine wulstige Stelle an seiner Wade. Diese Narbe kannte sie nicht. Was ist denn da schon wieder passiert?, fragte sie ihn im Stillen, während sie seine Schulter küsste, die Narben des Schamindar dort erspürte. Würde er denn jedes Mal nach einer Zeit des Getrenntseins eine neue Verletzung aufweisen?

 

 

Nach einer Reise voller Gefahren gelangen Grazia, die Gelehrtentochter aus dem Berlin des Jahres 1895, und Anschar, der Krieger aus dem bronzezeitlichen Argad, in das alte verfeindete Land Temenon. Hier sollen sie im Auftrag seines Königs Frieden schließen, um den alten Fluch abzuwinden, der beide Länder zu zerstören droht. Doch nichts ist hier wie erwartet, und als Grazia zurück nach Berlin flüchtet, bleibt Anschar keine Wahl: Er muss ihr folgen. Im Berlin der Kaiserzeit, einer Stadt voller Gefahr für einen Besucher aus einer anderen Welt, setzt sich für den stolzen Krieger und seine temperamentvolle Gefährtin das Abenteuer ihres Lebens fort ...

 


Heyne, Mai 2009, 656 S.